Das oberste Gebot

Eine der wenigen meiner Einsichten, die die Zertrümmerung überstanden haben, ist die über das oberste Gebot Gottes. Es ist eine Erkenntnis, wie man das Gebot mal anders verstehen kann. …

Folgendes steht in der Luther-Bibel von 1912:

Da aber die Pharisäer hörten, wie er den Sadduzäern das Maul gestopft hatte, versammelten sie sich. Und einer unter ihnen, ein Schriftgelehrter, versuchte ihn und sprach: Meister, welches ist das vornehmste Gebot im Gesetz? Jesus aber sprach zu ihm: „Du sollst lieben Gott, deinen HERRN, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüte.“ Dies ist das vornehmste und größte Gebot. Das andere aber ist ihm gleich: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ In diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.

Bemerkenswert ist hier der Einschub: „Das andere aber ist ihm gleich.“ Wir haben es hier also mit einer Gleichung zu tun.

Liebe deinen Gott = Liebe deinen Nächsten

Und eine Gleichung ist erfüllt, wenn eine der beiden Seiten erfüllt ist. Das heißt, es reicht wenn ich entweder meinen Gott liebe oder aber meinen Nächsten liebe. Wenn ich zum Beispiel enttäuscht bin von den Menschen und nur Gott liebe, dann habe ich das Gebot erfüllt. Auch ein Moslem, der nicht auf Nächstenliebe setzt, kann also das Gebot erfüllen.

Wenn ich aber nicht an Gott glaube, kann ich trotzdem das Gebot erfüllen, dann nämlich, wenn ich meinen Nächsten Liebe. Also liegt hier sogar eine Chance für Atheisten. Es erweist sich, dass das oberste Gebot mit der Gleichung extrem tolerant ist. Es lässt allen Menschen eine Chance, in den Himmel zu gelangen, unabhängig von der Religion.

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